HANDFESTE LUFTSCHLÖSSER.
Vom praktischen Nutzen der Utopie.
"Das Denken geht dem Gestalten voraus.
Wer die Zukunft mitgestalten will, sollte wissen, worum es geht."
Die
Essays dieses Bandes verbinden die kritische Suche nach dem praktischen
Nutzen der Utopie. Die Ergebnisse der Arbeit von Widmar Puhl sind keine
Lobeshymne auf den Fortschritt der letzten zehn Jahre.
Technische Visionen sind für Widmar Puhl nicht alles. Seine spannenden
Schilderungen gehen der Frage nach, welche Schlüsse wir aus den Visionen
ziehen und wie wir damit umgehen.Und ob wir die in ihnen begründeten
Chancen auch erkennen.
"Seit Thomas Morus in dem Roman Utopia, dem ersten der
Gattung Science Fiction, das Gedankenexperiment des idealen Staates machte,
wissen wir, dass Utopien die Gesellschaft ebenso verändern wie technische
und wissenschaftliche Entwicklungen.
Utopien haben ja nicht nur
einen praktischen Nutzen, wenn Erfindungen daraus werden. Utopisten sind
für mich daher nicht ausschließlich Science-Fiction-Autoren
und Erfinder, sondern auch Denker, die nur vor möglichen
Risiken künftiger Entwicklungen warnen.
Wer die Denkstuben
der Utopisten sichtet, fragt sich: Was wird, was kann und was soll kommen?
Alle Utopisten sind sich darin einig: nicht jede Zukunft ist wünschenswert.
Es steht schlecht um den Globus. Wo liegen die Grenzen der Utopie bei
der Lösung globaler Probleme?"
--> Vorwort
von Widmar Puhl (PDF 70 Kb)
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Inhalt
Von
Nirgendwo nach Neuland
Utopie zwischen Literatenkür und Wirtschaftslenkerpflicht? (Helmut
von Stackelberg)
Vom
praktischen Nutzen der Utopie
Einleitung von Widmar Puhl
Die
Gegenwart hat die Zukunft eingeholt
Gespräch mit Stanislaw Lem
Stanislaw Lem: "Innovation muß mehr sei als eine Utopie. Sie muß
etwas bewirken, und bitteschön etwas Gutes für die breite Masse.
Deshalb bin ich zu Zeiten des real existierenden Sozialismus ein idealistischer
Träumer, Denker und Weltflüchtling gewesen. Eine Zeitlang hatte
das wohl sein Gutes. Heute bin ich dagegen sehr skeptisch geworden. Sehr skeptisch.
Und außerdem ein bißchen sklerotisch und schwerhörig. Ach
was: stocktaub. Nur das Denken funktioniert noch."
Das
neue Menschenbild
Die menschliche Natur und die Biowissenschaften
"Was meinen wir mit Begriffen wie 'menschliche Natur', Menschenrechten
oder Menschenwürde? Es gibt zumindest fünf Beispiele dafür,
wie sich diese Begriffe durch die Entwicklung des Computers und der Biowissenschaften
verändert haben. Politische Debatten über Moral und Grundwerte der
Gesellschaft sind die Folge."
Chips
im Kopf
Der 'verdrahtete Mensch' ist längst unter uns
"Die Kombination gezielter gemeinsamer Forschung von Medizin, Genetik,
Mikrosystemtechnik, Elektronik und Ingenieurwissenschaften wird uns nach dem
Hör-Chip bald auch den Netzhaut-Chip bringen, so viel scheint sicher.
Umso wichtiger ist, dass wir auch lernen, als Gesellschaft damit umzugehen.
Wenn Utopien wahr werden, dann weil wir alle ein Interesse daran haben. Chips
im Kopf sind also weder Teufelszeug noch etwas für verspielte Wissenschaftler,
sondern ein Stück medizinischer und technischer Fortschritt."
Handfeste
Luftschlösser
Der Cyberspace wird ganz seriös
"Von 'handfesten Luftschlössern'sprach Professor Hans-Jörg
Bullinger, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und
Organisation (IAO) in Stuttgart, und meinte eigentlich das Gegenteil von Virtual
Reality. In seiner launigen Eröffnung des zweiten Forums 'Virtual Reality',
das seine Forschungsgruppe im 1994 zusammen mit dem Schwesterinstitut für
Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) auf dem Stuttgarter Universitätsgelände
abhielt, wurde aber schon klar: Bei aller Not mit dem Begriff ist der Cybersapace
auf dem besten Weg, auch in Deutschland industriereif zu werden."
Atombaukästen
und Molekülfabriken
Eine Recherche über Facts & Fiction
"Bringt man Atome oder Moleküle dazu, sich in Reih und Glied nach
unserem Willen anzuordnen, entstehen nicht nur neue Materialien mit praktisch
allen gewünschten Eigenschaften, sondern auch Maschinen einer völlig
neuen Art. Die Beherrschung der Materie ist in eine neue Dimension eingetreten,
in der Fortschritte in erster Linie davon abhängen, ob sich damit Geld
verdienen lässt."
Vom
Duft der Frauen und nackter Panik
Über Pheromone und Psychologie
"Die Unabhängigkeit von der sinnlichen Intensität der Wahrnehmung
schenkt uns wohl erst das freie Denken. Und seit wir das wissen, gibt es auch
schon perfide Versuche, dieses Wissen zur Manipulation von Menschen zu mißbrauchen."
Die
Erlebnisbaustelle
Anregungen für einen kreativen Umgang mit Staus
Sience
Fiction aus islamischer Sicht
Die Detektivromane des George Alec Effinger
"Alle kritischen Beobachter des islamischen Fundamentalismus sind sich
mit modernen Muslimen darin einig, dass dieses Problem nur zu bewältigen
ist, wenn auch in der politischen Breite eine moslemische Aufklärung
stattfindet. In der christlichen Welt hat es diese Aufklärung längst
gegeben, im Islam wurde sie seit dem Mittelalter erfolgreich unterdrückt.
Hier gibt es einen enormen Nachholbedarf, und hier liegt auch das größte
Verdienst George Alec Effingers. Seine kenntnisreichen und witzigen Bücher
über die Abenteuer des Privatdetektivs Marid, der vom islamischen Saulus
zum Paulus wird, sind ein wichtiger Beitrag zur überfälligen islamischen
Aufklärung. Da unterstützt ein Nicht-Muslim islamische Intellektuelle,
deren Arbeit vor allem in vielen arabischen Ländern von einer mittelalterlich
anmutenden Ketzerjagd behindert wird."
Ein
Herz für verrückte Typen
Bruce Sterling, Science-Fiction-Autor
Bruce Sterling: "Ich fange tatsächlich an, das Leben als eine kommerzielle
Industrie zu betrachten. Das läuft letztlich darauf hinaus, dass wir
Stück für Stück verkauft werden. Wir werden Gegenstand einer
industrialisierten Massenproduktion. Ich betrachte den Begriff 'Leben' vielleicht
nicht besonders wörtlich, traditionell oder literarisch, aber ich denke
wirklich: Wir werden diese Biotech-Industrie haben, und das wird in kürzester
Zeit eine Revolution in unserer Gesellschaft bewirken."
Der
Organismus Erde aus medizinischer Sicht
Utopien einer globalen Trendwende: Ansätze zu einer sozialen Ökologie
"Planeten-Management war nicht gemeint, als Gott sprach: Macht euch die
Erde untertan. Und wenn doch, dann haben wir diese Aufgabe jedenfalls sträflich
unterschätzt und sind ihr bisher nicht im gleichen Maße gewachsen
wie dem Zeugen von Nachwuchs. Wie aber können wir etwas leiten, von dem
wir nichts verstehen? Solange wir als Menschen unsere Grenzen kennen und respektieren,
sehe ich durchaus eine Chance. In diesem unscheinbaren Satz steckt eine ethische
und politische Herausforderung, deren Dimension neu ist in der Geschichte."
Realistische
Aussichten?
Spielregeln für eine globalen Zukunft
"Das Leben ist eine einzige Aufforderung, Probleme zu lösen.
Damit hat die Natur in Jahrmillionen eine Menge Erfahrung gesammelt. Was
wir dort vorfinden, funktioniert. Es läßt sich jedoch nicht
eins zu eins auf die Bedürfnisse einer technischen Zivilisation oder
eines Entwicklungslandes übertragen. Es gilt, Prinzipien zu erfassen
und an die Technik anzupassen."
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