Marbach am Neckar

 

Mai 2007

Widmar Puhl
Handfeste Luftschlösser

Erzählkultur in Benin
Die Märchen der Fon

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Widmar Puhl
Handfeste Luftschlösser.
Vom praktischen Nutzen der Utopie.

Mit einem Vorwort von
Helmut von Stackelberg.
Obleser Publizistik 2004
114 Seiten, 14,90 Euro
ISBN 3-935926-12-X

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HANDFESTE LUFTSCHLÖSSER.
Vom praktischen Nutzen der Utopie.

"Das Denken geht dem Gestalten voraus. Wer die Zukunft mitgestalten will, sollte wissen, worum es geht."
Die Essays dieses Bandes verbinden die kritische Suche nach dem praktischen Nutzen der Utopie. Die Ergebnisse der Arbeit von Widmar Puhl sind keine Lobeshymne auf den Fortschritt der letzten zehn Jahre.
Technische Visionen sind für Widmar Puhl nicht alles. Seine spannenden Schilderungen gehen der Frage nach, welche Schlüsse wir aus den Visionen ziehen und wie wir damit umgehen.Und ob wir die in ihnen begründeten Chancen auch erkennen.
"Seit Thomas Morus in dem Roman ›Utopia‹, dem ersten der Gattung Science Fiction, das Gedankenexperiment des idealen Staates machte, wissen wir, dass Utopien die Gesellschaft ebenso verändern wie technische und wissenschaftliche Entwicklungen. … Utopien haben ja nicht nur einen praktischen Nutzen, wenn Erfindungen daraus werden. Utopisten sind für mich daher nicht ausschließlich Science-Fiction-Autoren und Erfinder, sondern auch Denker, die ›nur‹ vor möglichen Risiken künftiger Entwicklungen warnen. … Wer die Denkstuben der Utopisten sichtet, fragt sich: Was wird, was kann und was soll kommen? Alle Utopisten sind sich darin einig: nicht jede Zukunft ist wünschenswert. Es steht schlecht um den Globus. Wo liegen die Grenzen der Utopie bei der Lösung globaler Probleme?"

--> Vorwort von Widmar Puhl (PDF 70 Kb)

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Inhalt

Von Nirgendwo nach Neuland
Utopie zwischen Literatenkür und Wirtschaftslenkerpflicht? (Helmut von Stackelberg)

Vom praktischen Nutzen der Utopie
Einleitung von Widmar Puhl

Die Gegenwart hat die Zukunft eingeholt
Gespräch mit Stanislaw Lem
Stanislaw Lem: "Innovation muß mehr sei als eine Utopie. Sie muß etwas bewirken, und bitteschön etwas Gutes für die breite Masse. Deshalb bin ich zu Zeiten des real existierenden Sozialismus ein idealistischer Träumer, Denker und Weltflüchtling gewesen. Eine Zeitlang hatte das wohl sein Gutes. Heute bin ich dagegen sehr skeptisch geworden. Sehr skeptisch. Und außerdem ein bißchen sklerotisch und schwerhörig. Ach was: stocktaub. Nur das Denken funktioniert noch."

Das neue Menschenbild
Die menschliche Natur und die Biowissenschaften
"Was meinen wir mit Begriffen wie 'menschliche Natur', Menschenrechten oder Menschenwürde? Es gibt zumindest fünf Beispiele dafür, wie sich diese Begriffe durch die Entwicklung des Computers und der Biowissenschaften verändert haben. Politische Debatten über Moral und Grundwerte der Gesellschaft sind die Folge."

Chips im Kopf
Der 'verdrahtete Mensch' ist längst unter uns
"Die Kombination gezielter gemeinsamer Forschung von Medizin, Genetik, Mikrosystemtechnik, Elektronik und Ingenieurwissenschaften wird uns nach dem Hör-Chip bald auch den Netzhaut-Chip bringen, so viel scheint sicher. Umso wichtiger ist, dass wir auch lernen, als Gesellschaft damit umzugehen. Wenn Utopien wahr werden, dann weil wir alle ein Interesse daran haben. Chips im Kopf sind also weder Teufelszeug noch etwas für verspielte Wissenschaftler, sondern ein Stück medizinischer und technischer Fortschritt."

Handfeste Luftschlösser
Der Cyberspace wird ganz seriös
"Von 'handfesten Luftschlössern'sprach Professor Hans-Jörg Bullinger, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, und meinte eigentlich das Gegenteil von Virtual Reality. In seiner launigen Eröffnung des zweiten Forums 'Virtual Reality', das seine Forschungsgruppe im 1994 zusammen mit dem Schwesterinstitut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) auf dem Stuttgarter Universitätsgelände abhielt, wurde aber schon klar: Bei aller Not mit dem Begriff ist der Cybersapace auf dem besten Weg, auch in Deutschland industriereif zu werden."

Atombaukästen und Molekülfabriken
Eine Recherche über Facts & Fiction
"Bringt man Atome oder Moleküle dazu, sich in Reih und Glied nach unserem Willen anzuordnen, entstehen nicht nur neue Materialien mit praktisch allen gewünschten Eigenschaften, sondern auch Maschinen einer völlig neuen Art. Die Beherrschung der Materie ist in eine neue Dimension eingetreten, in der Fortschritte in erster Linie davon abhängen, ob sich damit Geld verdienen lässt."

Vom Duft der Frauen und nackter Panik
Über Pheromone und Psychologie
"Die Unabhängigkeit von der sinnlichen Intensität der Wahrnehmung schenkt uns wohl erst das freie Denken. Und seit wir das wissen, gibt es auch schon perfide Versuche, dieses Wissen zur Manipulation von Menschen zu mißbrauchen."

Die Erlebnisbaustelle
Anregungen für einen kreativen Umgang mit Staus

Sience Fiction aus islamischer Sicht
Die Detektivromane des George Alec Effinger
"Alle kritischen Beobachter des islamischen Fundamentalismus sind sich mit modernen Muslimen darin einig, dass dieses Problem nur zu bewältigen ist, wenn auch in der politischen Breite eine moslemische Aufklärung stattfindet. In der christlichen Welt hat es diese Aufklärung längst gegeben, im Islam wurde sie seit dem Mittelalter erfolgreich unterdrückt. Hier gibt es einen enormen Nachholbedarf, und hier liegt auch das größte Verdienst George Alec Effingers. Seine kenntnisreichen und witzigen Bücher über die Abenteuer des Privatdetektivs Marid, der vom islamischen Saulus zum Paulus wird, sind ein wichtiger Beitrag zur überfälligen islamischen Aufklärung. Da unterstützt ein Nicht-Muslim islamische Intellektuelle, deren Arbeit vor allem in vielen arabischen Ländern von einer mittelalterlich anmutenden Ketzerjagd behindert wird."

Ein Herz für verrückte Typen
Bruce Sterling, Science-Fiction-Autor
Bruce Sterling: "Ich fange tatsächlich an, das Leben als eine kommerzielle Industrie zu betrachten. Das läuft letztlich darauf hinaus, dass wir Stück für Stück verkauft werden. Wir werden Gegenstand einer industrialisierten Massenproduktion. Ich betrachte den Begriff 'Leben' vielleicht nicht besonders wörtlich, traditionell oder literarisch, aber ich denke wirklich: Wir werden diese Biotech-Industrie haben, und das wird in kürzester Zeit eine Revolution in unserer Gesellschaft bewirken."

Der Organismus Erde aus medizinischer Sicht
Utopien einer globalen Trendwende: Ansätze zu einer sozialen Ökologie
"Planeten-Management war nicht gemeint, als Gott sprach: Macht euch die Erde untertan. Und wenn doch, dann haben wir diese Aufgabe jedenfalls sträflich unterschätzt und sind ihr bisher nicht im gleichen Maße gewachsen wie dem Zeugen von Nachwuchs. Wie aber können wir etwas leiten, von dem wir nichts verstehen? Solange wir als Menschen unsere Grenzen kennen und respektieren, sehe ich durchaus eine Chance. In diesem unscheinbaren Satz steckt eine ethische und politische Herausforderung, deren Dimension neu ist in der Geschichte."

Realistische Aussichten?
Spielregeln für eine globalen Zukunft
"Das Leben ist eine einzige Aufforderung, Probleme zu lösen. Damit hat die Natur in Jahrmillionen eine Menge Erfahrung gesammelt. Was wir dort vorfinden, funktioniert. Es läßt sich jedoch nicht eins zu eins auf die Bedürfnisse einer technischen Zivilisation oder eines Entwicklungslandes übertragen. Es gilt, Prinzipien zu erfassen und an die Technik anzupassen."

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