Marbach am Neckar

 

Mai 2007

Widmar Puhl
Handfeste Luftschlösser

Erzählkultur in Benin
Die Märchen der Fon

Peter Frömmig:
Anderswo & Im Lichtwechsel

Lorenz Obleser:
Tim und die Straßenbahn

Das Alphabet der Gruppe WortRose

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Mit suchendem Sinn vor den Bildern an der Wand
Lorenz Obleser misstraut dem guten Ton der vielen Worte.

Kunst beginnt mit einem Pinsel, einer Farbe, einer Spur. Kunst hat ihren Ursprung in Schlägen und Stößen, Staub und Schwielen. Kunst zeigt sich in Strichen und Formen, Wölbungen und Räumen. Bis die Bilder und Skulpturen in den Schauräumen an der Wand und auf dem Sockel stehen, haben sich längst viele Worte, Redensarten, Chiffren und Floskeln an die Werke geheftet. Hinter den Kulissen stösst Kunst auf erste Ablehnung und findet sie auch ihre ersten Fürsprecher.

Lorenz Obleser klaubt den Kontext zusammen, der die Kunstwerke und ihre Urheber, Künstler und Künstlerinnen in die Galerien begleitet und das Gespräch der Vernissagengäste anregt. »Ich betrachte und beobachte – die Werke ebenso wie die Menschen, die sie betrachten. Wenn über Kunst gesprochen wird, dann höre ich auf den Tonfall. Ich misstraue dem Index, der das Gezeigte übersetzen will und als Erklärung der Anfang des Missverständnisses ist.«

Als Journalist kennt Lorenz Obleser die Erwartungen, denen Künstler und Künstlerinnen ausgesetzt sind. Als Autor versteht er es, das Umfeld eines Bildes zu recherchieren, einen Werkzusammenhang zu erkennen und darzustellen. Und als Schriftsteller widersteht er dem Sog der Deutung, freut er sich an der Lust am Erkennen. »Es fasziniert mich, den Modus des Betrachtens zu ändern. Beim Lesen ein Buch zu schließen und ans Ohr zu halten, ist mehr als nur ein Innehalten in der Lektüre, es ist vielleicht die Chance auf ein Mehr an Wahrnehmung. Wo die Sinne sich suchend geben, findet ein Bild genauso wie ein Buch die Möglichkeit den ›guten Ton‹ zu verlassen.«

Bildbetrachtungen sind für Lorenz Obleser Respektsbekundungen vor dem Ausdruckswillen der Künstler und Künstlerinnen. Liebe und Überraschung, Achtung und Widerstand sind Begriffe, mit denen Lorenz Obleser für die Einzigartigkeit der Kunstwerke Entsprechungen findet. Der Ästhet und der Stilist sind Figuren der eingeführten Rezeption, aber auch der Dandy und der Banause können für Lorenz Obleser prototypisch auf ein Bild reagieren. »Das Reden über Kunst, sei es als Liebhaber oder Künstler, als Kenner oder Könner muss sich der unabwendbaren Allüren und Kapriolen bewusst sein, um der Kunst das Privileg des Unaussprechlichen zu lassen.«

Lorenz Obleser teilt mit den Künstlern und Künstlerinnen die Lust, ihre persönliche Sicht auf die Dinge zu zeigen. Der individuelle Ausdruck, der sich in vielfältigen Techniken und Metaphern entwickelt, findet in der Kunst eine Sprache, die – bei allem Geheimnisvollen, Schützenden und Verbergenden – Menschen miteinander verbindet, in Kontakt und ins Gespräch bringt.
»Ich freue mich, wenn meine Arbeit an dieser Stelle Anregungen bietet, auf Kunst zuzugehen, sich für sie zu begeistern. Zeigen Sie mir Ihre Arbeiten, ich bin gespannt.«

Lorenz Obleser hat Philosophie und Kunstgeschichte studiert. +++ Seine Arbeit als Journalist hat ihn mit zahlreichen Künstlern und Künstlerinnen zusammengebracht. +++ Er ist Autor von tausenden von Zeitungsbeiträgen. +++ Gemeinsam mit Heike Obleser gibt er die edition marktstrasse heraus. Hier finden Zeichner und Malerinnen eine interessante Plattform. +++ Das Verlagsprojekt Obleser Publizistik engagiert sich redaktionell und satztechnisch für Austellungskataloge und Monografien. +++ Lorenz Obleser ist 1966 geboren und lebt mit Frau und vier Kindern in Marbach am Neckar.

Lorenz Obleser
Lorenz Obleser

»Neugier ist der Begriff, hinter dem sich meine Neigung verbirgt, um Unerwartetem zu begegnen. Verantwortung das Pendant, um Kunst vor dem Horizont der Erkenntnis nicht als Spielwiese der Oberflächlichkeit zu zerreden.«
Lorenz Obleser

 

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